Vincent Gallos “The Brown Bunny”
USA, Japan, Frankreich, 2003.
Es gibt Momente im Leben eines Filmliebhabers, die außerordentlich positiv, dazu erhellend und überraschend sind. Es gibt Momente im Leben eines Filmliebhabers, die aufwühlend, erschreckend oder schwer verdaulich sind.
Natürlich gibt es auch Momente, die all dies nicht sind. Immer wieder sieht man sich mittelmäßige, schwache und enttäuschende Filme an. Aber dann kam “The Brown Bunny”.
Als Fan des amerikanischen Gitarristen John Frusciante – seines Solowerks und das seiner Band – war es für mich geradezu Pflicht, den komplett in Eigenregie von Vincent Gallo, mit dem Frusciante gut befreundet ist, produzierten Film “The Brown Bunny” anzuschauen. Gallo schrieb das Drehbuch, spielte die Hauptrolle, führte Regie, bediente die Kamera, schnitt und produzierte den Film. Wow! Was für ein Aufwand. Gallos Geldgeber – das Budget des Films betrug ca. 10.000.000 Dollar – ließen ihm völlig freie Hand. Man erhoffte sich nach seinem Erstlingswerk “Buffalo 66″ einen ebenso erfolgreichen Film.
Eben diesen Geldgebern dürfte es nach der ersten Vorführung des Films ziemlich flau im Magen geworden sein. Und dies lag tatsächlich an der Qualität des “Films” – die allerdings nicht existiert.
Der egozentrische, narzisstische, rassistische und homophobe Gallo liefert hier einen selbstverherrlichenden Streifen ab, der selbst nach der beträchtlichen Kürzung um circa eine halbe Filmstunde nach dem Desaster in Cannes in seiner gesamten Dauer keinen Hauch von Spannung oder Gefühl aufbauen bzw. Interesse wecken kann. Und augenscheinlich auch nicht will. Es scheint nur um die pure Selbstdarstellung zu gehen.
Tatsächlich ist der Inhalt des “Films” recht einfach gestrickt: Der Motorradrennfahrer Bud Clay wird von tiefster Trauer und Liebeskummer dazu getrieben, samt Motorrad in seinen Van zu steigen und quer durch die USA Richtung Los Angeles zu fahren, wo er seine Ex-Freundin Daisy vermutet. Auf dem Weg dorthin trifft er einige Frauen, denen er versucht nahezukommen, es aber nicht tut.
Diese simple und keinesfalls innovative Handlung reichte Gallo offensichtlich, um sie in ca. 90 Minuten “Film” zu verpacken. Stinklangweilige Einstellung an stinklangweilige Einstellung zu reihen. Unfassbar lange Sequenzen aus dem Van, die nur West-Amerikas Highways zeigen, einzubauen. Die geradezu einschläfernde Landschaftsaufnahmen aus dem Van sollen dabei die tief verwurzelte Trauer Bud Clays symbolisieren. Ja? Ja!
Dies gelingt allerdings – wenn überhaupt – nur in den ersten Minuten des langatmigen “Films”. Auf die Dauer wirken die Aufnahmen des Vans, Bud Clays und der Landschaft selbstdarstellerisch und ermattend; spätestens nach der Hälfte des “Films” fragt man sich, ob auch mal etwas passiert.
Die Begegnungen mit drei wildfremden Frauen verlaufen unglaubwürdig und uninteressant, ja geradezu schwachsinnig. Die eine steigt ohne weiteres Zögern zu Clay in den Van, er lässt sie allerdings nach wenigen Minuten bereits stehen. Die beiden anderen Begegnungen verlaufen ähnlich.
Sollte man bis hierhin durchhalten, wozu man definitiv eine gewisse Zähigkeit braucht, erwartet einen ein Dialog über die Lebensdauer von Kaninchen. Aber wie schlecht er ist! Trotzdem heißa! Diese geschätzten zehn Worte sind ein echtes Highlight, ein rettendes Ufer für den Zuschauer, endlich Worte! Menschliche Interaktion! Denn vorher wird so gut wie gar nicht gesprochen. Aber ein echter Gallo hat Worte gar nicht nötig! Der Zuschauer wird schon irgendetwas Wildes hineininterpretieren. Irgendwem wird das gefallen. Heutzutage gefällt sowas manchen! Es wird geschwiegen und gefahren! Basta! Und sonst nichts!
Zum Schluss des “Films” erwartet den Zuschauer eine sehr detaillierte, lange und unästhetische Fellatio-Szene, die mehr als nur fehl am Platz ist und dem schlechten “Film” “The Brown Bunny” noch die stinkende Krone aufsetzt.
Gallo hat definitiv völlig versagt. Keine Spur von Einsamkeit, Trauer und Verzweiflung. Stattdessen nur Frust beim Zuschauer. Und Fellatio. Sonst nichts.













