Hirn aus, Spot an!

Mark Neveldines und Brian Taylors „Crank: High Voltage”
USA, 2009

Crank. Hätte das Autoren- und Regisseurduo Neveldine/Taylor einen passenderen Titel für ihren Hirn-aus-Hit aus dem Jahr 2006 finden können? Absolut nicht. Mehr als 80 Minuten Nonstop-Action gefüllt mit einer der übertriebensten Filmhandlungen der letzten Jahre, mit berauschenden Verfolgungssezenen, mit kranken Ideen eben.
Nun folgt der Nachfolger. Denn niemand dachte wirklich, dass Chev Chelios tot sei, oder? Kann das gut gehen? Der zweite Teil von Crank verdeutlicht: Nur bedingt.

Crank 2 beginnt dort, wo der erste Teil aufhört: Bei Chev Chelios’ (Jason Statham) Sturz aus einem Helikopter in 1000 Metern Höhe. Nach seinem Aufprall, den er selbstverständlich überlebt, wird er von einer Bande von Gangstern mit einem Schneeschieber vom Boden gekratzt und in einen Van verladen. Schnitt. Chelios liegt auf einem OP-Tisch, ihm wird ein künstliches Herz eingesetzt, das per Batterie betrieben wird. Dabei ascht und spuckt ein fieser Triaden-Gangster in seinen offenen Brustkorb. Schnitt. Chev wacht auf, schlägt zwei „Ärzte“ K.O., flieht und bekommt zunehmend Probleme mit seinem neuen Herzen, das er zunächst per Autobatterie und Starthilfekabel an Brustwarze und Zunge wieder aufladen kann.
Völliger Quatsch? Natürlich, aber man darf nicht den Fehler machen, Crank und seinen Nachfolger ernst nehmen. Denn das vermiest einem das Grundkonzept der Filme. Absoluter Irrsinn trifft es schon eher. Denn wie sein Vorgänger ist auch „High Voltage“ geprägt von purer Selbstironie.

Trotzdem reicht Crank 2 nicht an seinen teilweise sehr überzeugenden Vorgänger heran. Natürlich hat auch der Nachfolger einiges zu bieten: Coole Sprüche besonders von Chelios, aberwitzige Verfolgungsjagden und die zum Teil äußerst ausgefallenen Ideen des Regieduos, das labile Kunstherz, das in Chelios’ Brust nur mühsam vor sich hin pumpt, mit neuer Energie, neuer „High Voltage“, auf Trab zu halten.
Das kongeniale Schöpferduo geht dabei zuweilen aber doch zu weit, denn sie versuchen, den völlig irren Vorgänger noch irrer, noch kranker, noch übertriebener zu machen. Allerdings misslingt dieser Versuch zum Teil ziemlich deutlich, denn bereits der erste Teil war eine Komposition von Superlativen. Da noch einen draufsetzen zu wollen ist nahezu unmöglich. Und daran findet das Duo Neveldine/Taylor seinen Meister. Gutes Beispiel dafür ist die Freiluft-Sexszene, die auch im zweiten Teil wieder vorkommt. Diesmal mitten auf einer Pferderennbahn wirkt diese Kopie aus dem ersten Teil fast schon abstoßend.

Hier zeigt sich das größte Manko des Films, denn er kommt fast ohne größere Neuerungen aus. Zwar haben die Schöpfer zum Teil geniale Ideen, andere Filme, Videospiele oder auch nervige Talkshows mit noch nervigeren Showmastern auf die Schippe zu nehmen. In Erinnerung bleibt zum Beispiel eine 50er-Jahre Godzilla-Kampfszene, die an Trashigkeit kaum zu überbieten ist. Aber mal ganz ehrlich: Außer dass sich Chelios diesmal mit einem künstlichen Herzen statt mit dem Gift aus dem ersten Teil herumschlagen muss, bleibt doch die Handlung dieselbe. Die-hard-Fans mag das nicht stören oder sogar gefallen. Aber man darf bei der Bewertung des Films nicht darüber hinwegsehen, dass „Crank: High Voltage“ und sein Vorgänger völlig identisch sind. Natürlich sollen sich Neveldine und Taylor nicht neu erfinden, aber ein wenig mehr Innovation wäre doch sicher möglich gewesen.

Mit Crank ist es also, wie bei vielen anderen Fortsetzungen zuvor: Kann man machen, muss man aber nicht.
Fans des Vorgängers werden „High Voltage“ größtenteils lieben. Alle anderen seien gewarnt vor diesem reizüberflutenden, zuweilen äußerst brutalen Actionspektakel, das vorheriges Ausschalten des Hirnes, Herunterschrauben von Erwartungen und Anspruch sowie starke Nerven dringend benötigt. Crank Teil 2 = krank³, also nichts für schwache Gemüter. Ein dritter Film wird folgen.

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