Sam Raimis „Drag Me to Hell“
99 Minuten, USA, 2009.
Dass ich mich einem Raimi annehme, hat nichts mit „Spider Man“ zu tun. Sondern mit seinem Frühwerk.
Obgleich das Genre (abgesehen von Romeros Kommentaren auf die US-Gesellschaft) kaum oder keine intellektuellen Höhepunkte erreichte, kann es potetiell stets für den beiläufigen Konsum geeignetes seichtes Amüsement bieten; wobei ebendies (nochmals abgesehen von den poetischen französischen Gewaltkumulationen „Irreversible“ und „Martyrs“) während eines gefühlten Jahrzehnts nicht gelang. Das Horrorfach hing durch wie ‘ne frisch geschlachtete Sau beim Ausbluten.
„Drag Me to Hell“ erzählt die Geschichte der Bankangestellten Christine, die sich um einer höher dotierten Stelle willen als knallharte Betriebswirtin profilieren muss und daher – entgegen ihrer Prinzipien – einer armen, alten Frau einen Kredit verweigert, der ihr das Verbleiben in ihrem angestammten Heim ermöglicht hätte. Bei dieser Frau handelt es sich jedoch dummerweise um eine Zigeunerin mit Kontakten zu dunklen Mächten – wer errät’s? Sie verflucht das arme Ding, das daraufhin drei qualvolle Tage bis zu ihrer Höllenfahrt erlebt, während derer sie vom Dämon „Lamia“ gepeinigt wird.
Mit etwas Wohlwollen gestatte ich Raimi an dieser Geschichte den Versuch der Kapitalismuskritik – selbstredend auf niedrigstmöglicher Abstraktionsebene. Dieser läuft auf die Erkenntnis hinaus, dass es dem irdischen Gut übergeordnete Mächte bzw. Prinzipien gibt und dass alle Ackermänner dieser Welt die große Endabrechnung vor dem weißen Thron fürchten müssen. Danke. Das nutzt Hartz-IV-Kalle aus Gelsenkirchen auch nix.
Unterhaltsam ist der Streifen, nimmt man ihn als leichte Kost – was er ist – , doch: Der eine oder andere Twist ist, obgleich fast immer vorhersehbar, nie schockierend, aber häufig amüsant. Den atmosphärischen, spezialeffektefreien Grusel (ich nenne es den „Shining-Effekt“) erreicht „DmtH“ allerdings nur in sage und schreibe einer Szene: Die „alte Wachtel“ (Zitat meiner Kinobegleitung) wähnt man eine quälende Minute direkt außerhalb der Kadrage und sieht nur der Protagonistin angsterfüllte Mimik. Lediglich hier agiert Raimi altmeisterlich.
Dass es dem Werk letztendlich an Charakter fehlt, liegt auch an der blassen Hauptfigur: Dem Zuschauer fällt es schwer, eine Bindung oder gar Sympathie für jemanden aufzubauen, der um der Karriere willen arrivierte Damen obdachlos machen will. Das leidende Mädchen hat rein und gut zu sein. Dieses Amerika jedoch kann gerne „Alte-Wachtel“-Sekrete ins Gesicht gespritzt bekommen.













