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DF 19-25
Deutscher Filmpreis 2026 | „Ein Ferngespräch“, Lenbachhaus München |  

Lolas Frauen 

Double Feature 22/26

Lola, Lola – die Verleihung des Deutschen Filmpreises 2026 in Berlin war ein Abend der Frauen, ohne dass sich irgendetwas nach Quote, Dogma oder pädagogischem Zeigefinger anfühlte. Sie machten einfach die bessere Figur: klüger, schlagfertiger, eleganter, kämpferischer, würdevoller. Während manche Männer noch an ihrer Bedeutung nestelten, hatten die Frauen längst Haltung, Rhythmus und Raumgefühl. Lola was a woman.

Main Feature

  1. Senta und die überfällige Lola
    Der Schauspielpreis für Senta Berger war zwingend; alles andere hätte im Saal mindestens zu inneren Barrikaden geführt. Ihre Dankesrede: bescheiden, wissend, ohne falsche Grandezza. Eine große Schauspielerin, ausgezeichnet für eine ihrer bewegendsten späten Rollen — und endlich mit der Lola.

  2. Leander und der Pausenwein
    Leander Haußmanns Auftritt war vermutlich einmal gut gedacht: freie Rede, Erfahrung, Eigensinn. Dann aber verhedderte sich der verdiente Regisseur so sehr, dass es zwischen „Oh je“ und „Lass Opa mal vom Krieg erzählen“ pendelte. Und dann auch Ausspracheprobleme mit einfachen türkischen Namen. Zu viel Pausenwein? Altersfreiheit? Jedenfalls: Oh Mann.

  3. Käse, Brot, Eichinger
    Katja und Nina Eichinger erhalten den Preis für missglückte Metaphern des Abends. Die mit dem Bernd-Eichinger-Preis ausgezeichneten Produzenten Thomas Wöbke und Philipp Trauer wurden mit Käse und Brot verglichen. Man sah kurz die ganze deutsche Filmbranche als Abendbrotplatte vor sich. Na, guten Appetit.

  4. Ausweichender Wim
    Wim Wenders wurde mit einer bewegenden Laudatio-Performance geehrt, aber dann loderte doch das eigentliche Thema: Nastassja Kinskis Forderung, die Nacktszene aus „Falsche Bewegung“ zu streichen. Gut, dass Wenders sich nachdenklich zeigt. Schaler bleibt: War es nicht schon 1975 falsch, eine 13-Jährige so dem Blick eines erwachsenen Gewalt-Arrangements auszusetzen? Die rasche Verallgemeinerung auf „die Branche“ wirkt da fast wie ein Ausweichmanöver.

  5. Feuer? Nur Feuer!
    Dass einem bekannte Schauspielerinnen auf dem Weg nach draußen mit dem Satz begegnen: „Haben Sie Feuer? Ich möchte aber wirklich nur Feuer, damit das klar ist“, ist einer dieser Momente, in denen Glamour, Misstrauen, Zigarettenromantik und Berliner Eventsoziologie in einem einzigen Feuerzeug zusammenfinden.

  6. Only Darlings
    „In die Sonne schauen“ nahm zurecht eine Vielzahl an Preisen mit: Goldene Lola, Regie, Drehbuch, Bild, Ton, Schnitt — ein ästhetischer Durchmarsch für einen Film, der im deutschen Kino der letzten Jahre wie ein Solitär steht. Kein „Kill your darlings“, sondern „darlings only“: female darlings, Geister der Altmark, Kino als Trancezustand.

  7. Blue Team

    Der bewegendste Moment des Abends wurde das “In Memoriam” – gerät dieser Programmteil oft recht schnell in “falsche Emotionen”-Verdacht, so war er diesmal bewegend beglaubigt durch Sophie Auster, Tochter des verstorbenen Paul Auster und von Siri Hustvedt, deren Dokumentarfilm zurecht einen Preis erhielt. Ihr Song “Blue Team” ist eine bewegende Ode an ihren Vater, Frau Auster für mich eine Entdeckung.

  8. Der Minister und die Briefe
    Dass sich der Kulturstaatsminister aufs Parkett wagte, war richtig und nötig. Sein Projekt, Streamer und Sender ab 2027 stärker zur Investition in den deutschen Filmstandort zu verpflichten, verdient Anerkennung. Die bekam er nur kurz; dann kamen „Gelbe Briefe“, Buchhandels-Zwischenrufe von deren Produzent und Empörung. Alles schlüssig — aber fast schon wohlfeil.

  9. It was a very good year…
    Am Ende wurde ein erstaunlich breiter Filmjahrgang geehrt: radikale Erinnerungskunst, politisches Gegenwartskino, Literaturverfilmung, Dokumentarfilm, Publikumserfolg. Man konnte wieder einmal merken: Ins Kino gehen lohnt sich immer. Im vergangenen deutschen Kinojahr sogar besonders.

Side Feature

Die kleine, feine Ausstellung im Lenbachhaus in München heißt „Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik“ — und der Titel ist schon fast das Programm: kein historischer Leitartikel an der Wand, kein großes Weimar-Geraune, sondern ein lockeres, kluges Durchstellen in eine Zeit, in der alles gleichzeitig modern, frivol, gefährdet und nervös war.

Zu sehen sind Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Objekte von Käte Hoch, Gabriele Münter, Christian Schad, Rudolf Schlichter, August Sander, Jeanne Mammen, Karl Hubbuch, Heinrich Hoerle und anderen. Besonders schön ist, dass die Schau nicht bei der üblichen „Goldene Zwanziger“-Geste stehen bleibt. Natürlich gibt es Bubikopf, Telefon, Charleston, Zigarette, Büro, Kino, Variété, neue Körper, neue Kleider, neue Geschlechtercodes. Aber daneben stehen Kriegsversehrte, Arbeitslose, Arbeiterinnen, politische Radikalisierung, antifaschistische Flugblätter und George Grosz’ böser Blick auf den kommenden Hitlergruß.

Das Besondere ist die lose Assoziation: ein Bild ruft ein Geräusch, ein Kleid eine Lebensform, ein Telefon eine Überwachung, ein Tanzlokal eine gesellschaftliche Sprengladung hervor. Die Ausstellung ist kein Panorama, eher ein vibrierender Apparat. Man hört die Weimarer Republik rauschen — und manchmal knacken die Leitungen bis heute.

Next Feature

Im nächsten Double Feature heisst es nochmals “London Calling”. Im zweiten Teil meines Berichts aus der Themese-Stadt geht es um Archivieren und Bewahren. Erinnerungswürdig?

Ich werde berichten…

with cultural regards,

Signature D

Next Feature

Im nächsten Double Feature geht es ins Kino, zu einem der grossen Oscar-Anwärter diesen Jahres. In “Hamnet” geht es um Trauer und Kunst – und tränenreiche Katharsis-Momente. Benötigten wir ebenfalls ein Taschentuch?

Ich werde berichten…

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