Bildschirmfoto 2025-10-29 um 12.12.20Bildschirmfoto 2025-10-29 um 12.12.20Bildschirmfoto 2025-10-29 um 12.12.20Bildschirmfoto 2025-10-29 um 12.12.20
  • Start
  • Anmelden
  • Archiv
  • Über Mich
✕
DF 19-25
Deutscher Filmpreis 2025 | Margot Friedländer

Alles Fesch, Lola?

Double Feature 19/25

Es ist mein Geburtstags-Wochenende. Was ich mir wünsche: X. Was ich mir nicht wünsche: Y. Also X statt Y – das geht so:

 

X statt Y

Tanzen statt Taumeln

Smiley Face statt Mar-a-Lago Face

Wortgebilde statt Wortschwall

Lektorieren statt Lamentieren

Lieben statt Lästern

Berlin im Licht statt Berlin geht nicht

Bühne statt Bulldozer

Delektieren statt Dozieren

Frauen in Ämtern statt Frauen im All

Hyper-Aktiv statt Hyper-Maskulin

Sex statt Sexismus

Gleitgel statt Gleitzeit

Segel setzen statt Zölle kassieren

Abends mal ranschmusen statt die ganze Nacht abhusten

Machen statt Mäandern

Zuhören statt Zutexten

Kunst statt Kasse

Best of Luck statt What the Fuck

Konsens statt Konklave

RambaZamba statt RamboZambo

Filmpreis statt Filmriss

Gemeinschaft statt gemeiner Schuft

Einsame Klasse statt gemeinsam einsam

Echte Zukunft statt falsche Vergangenheit

Banden bilden statt Banne verhängen

Gesichts Yoga statt Fadenlifting

Gin Fizz statt Skinny Bitch

High Heel statt Low Brow

Walk of Fame statt Walk of Shame

Hallo, Heiliger St. Florian statt Holy Shit, the roof is on fire

Das Licht sehen statt die Dunkelheit fürchten

Hände halten statt Händeringen

Aufstehen statt Anstehen

Wir wir wir statt ich ich ich

Here and Now statt Anywhere and Anyway

Fifty something statt something Fifty

Got the message?

Main Feature

Der deutsche Filmpreis wurde in der letzten Woche zum 75. Mal vergeben und die Lola-Statuette wanderte zum 25. Mal in stolze Filmschaffenden-Hände. Jubiläum, Feierlaune, Zufriedenheit und Partystimmung? Nun, beginnen wir mit etwas Zahlenmystik – die Quersumme von 25 ist 7 – daher folgen nun 7 Lola- Beobachtungen, mir war danach…

  1. Kulturkämpfchen – Der neue Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte im Rahmen der Lola-Gala seinen ersten größeren Auftritt – und schlug sich souverän. Prägnante Worte, verbindliche Sprache. So mancher lauert natürlich im Kulturkampf-Schützengraben – aufmunitioniert mit zugegeben nicht sonderlich konsistenten Elaboraten aus Weimers Vergangenheit über Konservatismus, das Bürgerliche. Gewartet wird auf “Mishabs” und Fehltritte, aber die lieferte Weimer nicht. Vielmehr outete er sich als Kulturkämpfer im wörtlichsten Sinne, als “Kämpfer für die Kultur”, der diese nicht “nach rechts rücken werde – aber auch nicht nach links”. Bemüht wurde Schillers Freiheitsbegriff. Nun, er wird an Taten zu messen sein – insbesondere an der Vollendung des unter Claudia Roth unfertig gebliebenen Filmförderungs-Gesetz, von der Branche sehnlichst erwartet. Ob er das in akuter Selbst-Überschätzung von Karoline Herfurth bei ihrer Laudatio hingepatzte Gesprächsangebot “Ja, Hr. Weimer, Freiheit, das ist ein Wort, darüber reden wir nochmals….” annehmen wird, bleibt abzuwarten – für mehr als einen Small Oatmilk-Matcha Latte hätten sich die beiden wahrscheinlich ohnehin nichts zu erzählen…

  2. Empathize Me!  – Das Wort des Abends: Empathie. Nicht wirklich überraschend, wurde es schon am Anfang der von Christian Friedel charmant, zugänglich, musikalisch, dynamisch moderierten Veranstaltung zum zentralen Begriff. Vielseitig aufladbar, häufig überfrachtet, manchmal missverständlich und in vielerlei Hinsicht auch eine Worthülle für so manchen Identitäts-Exzess der letzten Jahre – dennoch: die Branche vergewisserte sich der wärmenden, orientierenden und verbindenen Wirkung dieses Begriffs. Und es stimmt: Verbindende, wahrhaftige und -ja- empathische Geschichten erzählen, das sollte der Film gerade jetzt tun.

  3. Not Under The Influence – Es war kein gutes Gala-Jahr für InfluencerInnen. Zu der ernsthaften, durch den mitten in der Veranstaltung von Igor Levit  – überlang und recht selbst-trunken – verkündeten Tod von Margot Friedländer erst recht melancholischen und betroffenen Stimmung wollten “Duckface”, aufgeregt geführte Pseudo-Interviews und Standbein/Spielbein-Posen nicht recht passen. Und als Wolf Biermann in seiner gewohnten, diesmal aber charmanten Störrigkeit dann auch noch “Lass dich nicht verhärten in diesen harten Zeiten….” sang, war es vorbei für jeden wie auch immer gedachten Influ-Insta-Post. Dem Wert des Abends tat es keinen Abbruch, im Gegenteil…

  4. September in der Schweiz – der grosse Preis-Abräumer des Abends war der Film “September 5”. Der in der Perspektive des engen Senderaums gedrehte Film über die TV-Berichterstattung, als bei den Olympischen Spielen 1972 in München die israelische Mannschaft in Geiselhaft genommen wurde und schließlich grausam zu Tode kam, ist ein passender Gewinner zur richtigen Zeit. Einerseits, da er in filmischer Perfektion die Rolle der Medien in Krisenzeiten beleuchtet und hinterfragt – ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Andererseits, da hier jenseits von formelhaften Pro- und Contra-Bekundungen ein wichtiger Baustein gezeigt wird in dem verwirrenden, nicht mehr zu überschauenden Puzzle, das der Nahost-Konflikt ist. Der Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum zeigt sich im allerbesten Sinne helvetisch – bescheiden, seiner Arbeit verpflichtet, ruhig sympathisch, sein Team in aufrichtiger Weise lobend (“Der Tag, als ich nicht persönlich am Set sein konnte, war für das Team der Beste…”) Move over, Roger Federer, die Schweiz hat einen neuen Charme-Botschafter!

  5. Zerreißende Saat – Der Blick auf den Iran und sein Regime ist nach wie vor wichtig und notwendig. Es ist wohltuend, dass der bei derartigen Veranstaltungen häufig gastierende Solidaritäts-Wanderzirkus ein wenig weitergezogen zu sein scheint. Umso stärker kann ein unter widrigsten Bedingungen entstandener Film wie “Die Saat des heiligen Feigenbaums” und seine kraftvollen DarstellerInnen wirken. Das Zerreißen einer Familie unter einem zerreißenden Regime. Ein zurecht ausgezeichneter Film von Mohammad Rasoulof, der hoffentlich auf fokussierte, filmische, aber nicht weniger dringliche Weise hilft, den “Iran-Komplex” auf der westlichen Konflikt-Agenda zu halten.

  6. Die Film-Gießerin – “To Cast” heisst auf Deutsch “Gießen” und An Dorthe Braker ist die Beste unter den derartigen deutschen Handwerkerinnen. Nicht nur, dass sie (neben der verstorbenen Simone Bär) den Beruf der Casterin überhaupt erst prägte, sie ist schlicht und ergreifend für die perfekt austarierten Ensembles von so manchem deutschen Film-Meisterwerk verantwortlich. Einige der von ihr entdeckten und geförderten SchauspielerInnen sangen ihr daher – im Anschluss an eine intelligent-launige Laudatio des Regisseurs Dominik Graf – ein Ständchen in bester Flash-Mob Manier. Der Preis für das Lebenswerk, mit viel Gießerei erarbeitet und hochverdient….

  7. Klimakrise – Das Theater am Potsdamer ist mehr schlecht als recht eine würdige Veranstaltungs-Location, zu verwinkelt, schmal, stickig und schlicht langweilig funktional kommt der Bau daher. Insbesondere die niedrigen Decken sorgen bereits beim Empfang im Foyer nach kurzer Zeit für persönliche Klimakrisen. Wenn dann auch noch üppig riechende Bärlauch-Pesto-Brote angeboten und begeistert vertilgt werden (passenderweise gefolgt von kleinen Lakritz Snacks), dann sehnt man sich nach einem Lola-Klimaprotokoll – und der im Zweifel privat zu finanzierenden Rückkehr in das Palais am Funkturm als Gala-Ort.

Ready for the next Close-Up, Lola? Film ab!

Side Feature

“Schaut nicht auf das, was Euch trennt. Schaut auf das, was Euch verbindet. Seid Menschen. Seid vernünftig.”

Margot Friedländer (1921-2025)

Next Feature

Im nächsten Double Feature treten wir an den Abgrund. Die grausame Bernarda Alba lässt einen in einer Inszenierung aus Hamburg den Glauben an das Gute im Menschen verlieren, während Nietzsches Zarathustra in einer mehrstündigen multimedialen Theater-Performance in Zürich das Entstehen des Übermenschen ersehnt. Also warm anziehen im Theater-Wonnemonat Mai?

Ich werde berichten…

with cultural regards,

Signature D
Impressum | Datenschutzerklärung | Webdesign von Lisa Koch